Eine Reise in die Provence

Herzlich willkommen!
Ich möchte Ihnen auf meiner kleinen Internetpräsenz meine Erlebnisse aus der Provence näherbringen, die ich in meinem Buch „Café du Centre“ gesammelt habe.
Es ist kein Roman oder Reiseführer im klassischen Sinne. Es ist eine Sammlung von Begebenheiten und Beobachtungen, die ich im Land der Märkte und des „Savoir vivre“ machen durfte.
„Wir verwirklichen unseren Traum, verlassen für neun Monate Deutschland und wollen in der Provence im Departement Haut Vaucluse leben, angeregt durch einige vorangegangene Reisen in den Süden Frankreichs und durch die Lektüre von Marcel Pagnol und Peter Mayle.
Kein Bedenken, kein Schwachwerden vor dem, was vor uns liegt, was auf uns zukommt; nein, wir fahren in eine wunderschöne Region Frankreichs, um in zwei kleinen Dörfern unter und mit Franzosen zu leben. Wir wollen während unseres langen Aufenthalts die verschiedenen Jahreszeiten erleben, tiefer in das alltägliche Leben der Franzosen, der Provenzalen eintauchen, die Menschen und ihr Leben intensiver kennenlernen, als es bisher auf unseren Provence-Reisen möglich war, das schließt auch das Kennenlernen provenzialischer Sitten und Bräuche mit ein, wann immer sich eine Möglichkeit bietet.
Eine Winzerfamilie, vor allem Mutter und Tochter, hat unser Anliegen von Anfang an verstanden.
Und da ist noch etwas, was wir uns vorgenommen haben: Unser Aufenthalt soll zeichnerisch und schriftlich zu einer bleibenden Erinnerung werden. Herausgekommen ist dieses Buch.“
Neugierig geworden?
Dann kommen Sie mit auf unsere Reise in die Provence!
Ihr
Rolf Jähnig

Meine Vita
1943 in Dresden geboren
ab 1946 aufgewachsen in Lüdenscheid-Brügge
Abitur am Zeppelin-Gymnasium Lüdenscheid
Lehramtsstudium an der Ruhr-Universität Bochum in den Fächern Deutsch und Sport
nach dem 2. Staatsexamen 35 Jahre Lehrer
am Anne-Frank Gymnasium Halver
2014 erscheint die Erstauflage „Café du Centre“ in der Westfälischen Reihe, Münster
In den Jahren 2014 – 2018 folgen mehrere Lesungen u.a. in Hamm und an verschiedenen Orten in Münster
2024 erscheint die Neuauflage „Café du Centre“ mit neuen Geschichten und Zeichnungen im Selbstverlag (ISBN: 978-3-00-076855-2. Preis: 19.00 EUR)
Leseprobe
Die Provence ruft
Es ist Mittwoch, der 29. September.
Wir starten. Auf in´s Abenteuer. Wir verwirklichen unseren Traum. – Wir nehmen für neun Monate Abschied von einer kleinen Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis, Breckerfeld, eine über 600 Jahre alte Hansestadt, und fahren in die Provence, in das Département Haut Vaucluse, in das Dorf Ste. Cécile-les-Vignes, das ca. 10 km östlich der Stadt Orange liegt. Dort werden wir im Spätherbst und in den Wintermonaten bis Februar in dem Ferienhaus einer Winzer-Familie leben. Anfang März heißt es dann noch einmal umziehen in ein Haus im Dorf Villedieu, das inmitten von Weinbergen auf einem Höhenzug nordwestlich der Stadt Vaison-la-Romaine liegt.
Der Abschied fällt uns nicht schwer: feiner, durchdringender Landregen; es ist kühl. Das Wetter scheint uns ein Zeichen zu geben: auf in den Süden, in die Sonne; Wärme für das Herz und die Seele.
Kein bedrückendes Gefühl Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Haus und Garten für eine längere Zeit hinter sich zu lassen. Aufbruch nach Frankreich, in die Provence, die uns so gar nicht fremd ist, die uns während der vielen Aufenthalte ans Herz gewachsen ist.
Keine Bedenken, kein Schwachwerden vor dem, was vor uns liegt, was auf uns zukommt; nein, wir fahren in eine wunderschöne Region Frankreichs, um in zwei kleinen Dörfern unter und mit Franzosen zu leben. Wir wollen während unseres langen Aufenthalts die verschiedenen Jahreszeiten erleben, tiefer in das alltägliche Leben der Franzosen, der Provenzalen eintauchen, die Menschen und ihr Leben intensiver kennenlernen, als es bisher auf unseren Provence-Reisen möglich war Das schließt auch das Kennenlernen provenzalischer Sitten und Bräuche mit ein, wann immer sich eine Möglichkeit bietet.
Wir möchten bekannte und vor allem unbekannte Landstriche, Städte, Dörfer der Provence von Cécile und Villedieu aus bereisen. Wir brennen geradezu darauf viele Eindrücke in uns aufzunehmen.
Und da ist noch etwas, was wir uns vorgenommen haben: Unser Aufenthalt in der Provence soll bildlich und schriftlich zu einer bleibenden Erinnerung werden. Ria möchte malen, malen, malen. Sie schwärmt von den vielen Motiven, die die Provence bietet und gewissermaßen danach schreien gemalt zu werden, vornehmlich in Aquarell. Und ich? Ich möchte das wieder aufgreifen, was wir so oft auf Reisen praktiziert haben. Während Ria gemalt hat, habe ich ihr vorgelesen, meistens aus Reiseliteratur.
Ich kann mir aber auch vorstellen, etwas zu tun, was ich vor vielen Jahren in Griechenland begonnen, dann aber nicht recht zum Abschluss gebracht habe: zu schreiben. Ich habe da keinen Roman oder ähnliches vor Augen, also nicht das Fiktionale; auch keinen weiteren Reiseführer über die Provence. Ich denke da an eine Art Tagebuch, in dem ich den Alltag in der Provence in Geschichten, wie ich sie in der Provence erleben werde, festhalte.
Ungewiss ist, wie wir den Winter, die langen dunklen Wintertage erleben. Werden sie sich auf unseren Gemütszustand auswirken? Wir werden neue Seiten an uns erfahren. Einzeln und als Paar! All das und auch noch viel mehr wird unseren Alltag, unser Leben auch nach dem Provence-Aufenthalt bestimmen.
Wir denken positiv und haben ein gutes Gefühl und glauben, an den langen dunklen Wintertagen in unserem Haus in Cécile keine Langeweile zu haben, vor allem dann nicht, wenn wir malen und schreiben können.

Start ins Provence-Abenteuer
Grenzübergang Deutschland-Frankreich Richtung Mühlhausen, Süd-Elsass. „Bonjour France“, sofort ist die Autobahn, in Frankreich Autoroute genannt, angenehm leer, Tempolimit 130 km/h, das Fahren ist gleich entspannter, Rasen nicht möglich. So geht es doch auch, Deutschland! Wir fahren der Sonne entgegen, es wird von Stunde zu Stunde wärmer.
Ankunft gegen Spätnachmittag in Beaune, in der Bourgogne. Wir haben ein Zimmer im Hotel La Cloche gebucht. Kennen es schon von unserer Tour im März, als wir auf der Suche nach einem geeigneten Quartier für unser Provence-Abenteuer waren.
Beaune haben wir auf einigen Stopps zwischen Deutschland und der Provence aus früheren Jahren schätzen gelernt, nicht nur, weil man hier in dem Restaurant Le Jardin des Remparts in außergewöhnlichen Räumlichkeiten sitzt und vorzüglich speisen kann, sondern auch wegen seiner historischen und kulturellen Substanz: Die alte Stadtmauer ist gut erhalten, zeigt deutlich den Ring um die Stadt aus früheren Zeiten, dazu gehören Stadttore, mittelalterliche Stadthäuser, enge, saubere Gassen, ein schöner Marktplatz mit überdeckter Markthalle; das Hospices de Beaune gleich nebenan, ein Gebäude wie aus einem Reisekatalog, mit geschichtsträchtiger Vergangenheit, wie der Name schon sagt, und der Ort, an dem jährlich die „Confrérie du Vin“ (Weinbruderschaft) in einer Zeremonie, die über die Gebietsgrenze hinaus bekannt ist, den Wein der Côte-d’Or in Fässern versteigert.
Das Hotel La Cloche ist alt, die Gänge verwinkelt, mehrfach umgebaut: zwei alte Häuser auf eine kaum zu durchschauende Art und Weise miteinander verbunden. Die Orientierung fällt dem Gast nicht ganz leicht. Unser Zimmer mit typisch französischem Charme eingerichtet: Möbel verschiedener Epochen stehen nebeneinander, wir schmunzeln über die Leichtigkeit des Arrangements. Der Franzose kann das, darf das, denken wir.
Wir sitzen auf der Terrasse eines Restaurants, freuen uns auf das bestellte Essen und haben vorab einen Pastis bestellt, den wir auf unseren Reisen in Frankreich als Aperitif bevorzugen. Um uns herum sitzen viele Franzosen. Man trifft sich mit Freunden nach der Arbeit; isst und trinkt miteinander, ist gut gelaunt. Wir lieben ihre Sprache, die wie eine Melodie daherkommt. Wir spüren, dass wir auch dieses Mal wieder schnell in das „Savoir-vivre“ eintauchen, das die Franzosen so perfekt beherrschen, sie zelebrieren es täglich. Wir sind lernfähig und glauben fest daran, es bald auch zu verinnerlichen.
Die nächtliche Ruhe im Hotelzimmer wird gegen 6.00 Uhr durch regen innerstädtischen Autoverkehr gestört: Das war es dann wohl. Wir frühstücken nicht im Hotel, können aber unser vollgepacktes Auto und zwei Fahrräder auf dem Heckträger im Innenhof des Hotels stehen lassen und nehmen das Petit déjeuner in einem kleinen Café ein. Drängen uns dann gegenseitig zum Aufbruch: Wir wollen an unser Ziel.
Bei sommerlichen Temperaturen kommen wir nachmittags in Ste. Cécile-les-Vignes an. Hier werden wir also die nächsten fünf Monate unter Franzosen leben, in einem Haus, das die Besitzer liebevoll „Villa Les Oliviers“ nennen. Es ist uns schon ein wenig vertraut; denn wir haben bereits vor vier Jahren mit Freunden darin gewohnt. Die Lage des Hauses, umgeben von Weinstöcken und Olivenbäumen; die Helligkeit und Farbigkeit der Räume; die räumliche Aufteilung, von der Küche kann eine verglaste Veranda betreten werden, all das hat uns von Anfang an begeistert. Jetzt freuen wir uns riesig, hier einziehen zu können.
Wir biegen in den Chemin de Moreau ein, jetzt ist es nicht mehr weit, nur noch auf einen schmalen Schotterweg abbiegen und schon sind wir angekommen.

Pure Freude, das Herz schlägt schneller. Wir steigen aus und, Josiane, die Vermieterin, läuft uns quasi in die Arme und hält Ria sofort ihre rechte Wange hin. Wir erleben nun die übliche Begrüßung auf provenzalisch: Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links auf die Wange angedeutet. Sie fragt nach dem Verlauf unserer Anreise und bittet uns gleich nach nebenan, zu ihrem Haus, das Auspacken kann warten. Wir sitzen vor dem Haus in der Sonne, es gibt gekühlte Getränke, wohltuend bei diesem Wetter. Was für ein Empfang!
Leseprobe 2
Autofahren im Kreis
Eine geniale Einrichtung das Autofahren im Kreis, in Frankreich Carrefour giratoire genannt (Kreuzung im Kreis), umgangssprachlich auch „Rond-point“ genannt.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts soll es in New York am Columbus Circle und 1907 in Paris rund um den Arc de Triomphe einen Kreisverkehr gegeben haben. Wer auf die geniale Idee kam, weiß ich nicht. Ich habe aber gelesen, dass der Kreisverkehr um den Arc de Triomphe auf den Vorschlag von Eugène Hènards eingerichtet worden ist. In Deutschland soll der erste Kreisverkehr angeblich am Borsigplatz in Dortmund angelegt worden sein.
Wer mit dem Auto in Frankreich unterwegs ist, der staunt über die große Anzahl von Kreuzungen, in denen der Verkehr im Kreis ohne Ampeln geregelt wird, auch in großen und größeren Städten. Nur vereinzelt habe ich in Städten der Provence Kreisverkehre mit Ampelschaltung gesehen, z. B. in Pont-St. Esprit.
Jeder Autofahrer weiß, dass es an Straßenkreuzungen mit Ampeln zu bestimmten Tageszeiten Staus gibt, der Verkehr dann nur stockend, schleppend vorankommt. Und wie sieht es bei Kreuzungen aus, wo viele Straßen zusammenlaufen und der Verkehr im Kreis ohne Ampeln geregelt wird?
Wo viele Straßen zusammenkommen, entsteht eine hohe Verkehrsdichte; also müsste es auch beim Kreisverkehr ohne Ampeln zu Staus kommen. Richtig ist, dass es in den Hauptverkehrszeiten ein „Stopp and Go“ gibt, aber im Gegensatz zu den Ampelkreuzungen bleibt der Verkehr flüssiger. Es kommt selten zum großen Rückstau.
In Deutschland war der Kreisverkehr ohne Ampeln in Vergessenheit geraten, bis die Verkehrsexperten ihn in der Zeit um 1990 wieder entdeckten und ihn mehr und mehr in den Straßenverkehr einplanten. In den letzten Jahren trifft man ihn gehäuft in Neubaugebieten, bei neuer Verkehrsführung; auch Kreuzungen mit Ampeln werden aufgehoben und durch eine Kreuzung im Kreis ersetzt. Geht doch!
Zurück nach Frankreich! Wer hier mit seinem Auto zum ersten Mal einem großen Kreisverkehr ansteuert, das kann der Fall sein, wenn man von der Autobahn kommt, sich einer größeren Stadt nähert, dann könnte der Fahrer schon ein wenig verunsichert sein. Er sieht, dass der Verkehr ein-, zwei- oder sogar dreispurig im Kreis geführt wird. Und er sieht auch, wie flüssig, ja wie zügig der Verkehr auf diesen Spuren rollt und wie souverän sich die anderen Lenker auf diesem Terrain fortbewegen. Souverän bezüglich Übersicht, Fahrdynamik und Sicherheit. Also keine Angst vor dem Kreisverkehr, auch nicht als Fremder, gleichgültig wie dicht der Verkehr ist; den Verkehrsfluss konzentriert beobachten, etwas defensiv fahren, der Rest kommt von allein.
Kreisverkehr gibt es in allen erdenklichen Größen; vom Kreis mit kleinstem Durchmesser, mit Farbe auf den Asphalt gemalt, bis zu Kreisen, bei denen man den Eindruck bekommt eine große Insel zu umfahren, wie das in der Nähe der Autoroute A7, Abfahrt Avignon Nord, der Fall ist. Der Verkehr wird hier in alle Himmelsrichtungen abgeleitet, der große Kreisel gleicht einer „Drehscheibe“. Nimmt man die Route Richtung Avignon, führt diese nach ca. 50 Metern in den nächsten Kreisel, der den Verkehr auch in ein großes Gewerbegebiet ableitet. Weit und breit ist keine Ampel zu sehen.
Das Verkehrsaufkommen an dieser „Drehscheibe“ ist stets hoch, in Zeiten der Rushhour sehr hoch. Und das Verrückte an diesem Verkehrsknotenpunkt: Der Verkehr fließt; nicht so flüssig wie zu normalen Zeiten, aber selbst auf den Straßen, die zum Kreisverkehr hinführen, gibt es kein langes Warten, kaum Stillstand.
Wie verhält man sich als Fremder in Frankreich in diesem großen Kreisverkehr?
Vor allem sollte man nicht ängstlich bei der Einfahrt sein. Gleich zweispurig geht es in ihn hinein, der Verkehr im Kreis selber wird dreispurig geführt. Wer zögerlich fährt, benötigt sicherlich oftmals mehr Zeit, um eine angemessene Lücke im Kreisverkehr zu finden. Ein Drängeln, Drücken oder Hupsignal von nachfolgenden Autofahrern gibt es selten, noch seltener, wenn die Franzosen sehen, dass sich vor ihnen ein ausländisches Kennzeichen befindet.
Routiniers „springen“ auch in kleinere Lücken, indem sie ihren Wagen schnell beschleunigen, sich zügig in den fließenden Verkehr einordnen und anschließend die erforderliche Fahrspur für die Weiterfahrt aufsuchen. Setzen sie den linken Blinker, dann kann das bedeuten, dass sie noch eine längere Strecke im Kreisverkehr fahren wollen. Wird der rechte Blinker gesetzt, heißt das, ich biege gleich in die nächste Straße ab. Aber es kann auch sein, dass kein Blinker gesetzt wird; und dann?
In Frankreich im Kreisverkehr zu fahren ist also spannend, lässt Spielraum für überraschende Situationen. Wie zum Teufel weiß der Fahrer, der mich links überholt, um in eine zweispurige Ausfahrt abzubiegen, dass ich nicht im Kreisverkehr bleiben will? Gut, wenn ich den Blinker rechts gesetzt habe, dann verlässt er sich auf mein Zeichen. Was aber, wenn ich kein Zeichen gesetzt habe? Ich drücke es mal so aus: In Frankreich wird im Kreisverkehr zügig, forsch, auch manchmal frech gefahren, aber auf jeden Fall sicher, denn ich habe in den neun Monaten keinen Unfall in oder an einem Kreisverkehr gesehen. Respekt!
Fazit: Der Carrefour giratoire hält den Verkehr flüssig, regelt ihn sinnvoll, macht ihn sicherer, gleichgültig wie groß er ist, in einer Stadt, vor einer Stadt, in einem Dorf, vor einem Dorf, auf der freien Fläche, im Gebirge, und, und, und,…